Chronik des Verbandes
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Die Vorbereitung der Verbandsgründung
Mit dem Abschluss der Campagne 1989 waren die Gremien auf der Grundlage des Vereinsgesetzes in den meisten Vereinen etabliert. Es war somit die Handlungsfähigkeit gegeben. Natürlich konnte ich einige, mir bekannte Karnevalisten aus dem Thüringer Land dafür begeistern, neue Strukturen aufzubauen, die unsere Interessenvertretung verlangt. Meine Gespräche wurden unterschiedlich bewertet. Die einen lehnten jedwedes "Unterordnen" ab, andere, in den grenznahen Bereichen zu Hessen, Unterfranken und Bayern waren längst auf dem Wege "nach drüben".
Alte Gefühle landsmannschaftlicher Prägung kamen wieder zum Vorschein. Südthüringen wollte nicht über den Rennsteig nach Norden und fühlte immer noch fränkisch. Im Sonneberger Raum suchte man längst nach Mitgliedschaften im oberfränkischen Verband. Dennoch gelang es mir, mit Wilfried Esefelder, Bad Blankenburg (BAK Gera) und Horst Olack (BAK Erfurt), zwei renommierte Vertreter für eine Dachorganisation zu gewinnen. Der Vertreter Wasungens war für eine eigene Lösung. Suhl zeigte sich noch zurückhaltend, Jochen Rebhan signalisierte aber bald Zustimmung.
Trotzdem führte ich auch weiterhin Gespräche und sorgte für Aktivitäten. Als Mitglied des ehemaligen Zentralen Arbeitskreises der DDR hatte ich genügend übergreifende Kenntnisse der sich nun in Auflösung befindlichen Strukturen des DDR-Karnevals und der Personen, die ihn vertraten. Als einer der wenigen "Parteilosen" kannte ich auch diejenigen, die für einen Neuaufbau kein Negativ-Image vorweisen konnten.
Zurückblickend denke ich noch heute an die Geschwindigkeit der politischen Ereignisse seit dem Jahre 1989 und unser schnelles Umlernen. Unter Leitung des ehemaligen ZAK-Vorsitzenden - Jürgen von der Heydt - formierte sich ein Gremium zur Gründung eines eigenen Verbandes der DDR nach dem Muster des BDK - der "Verband Deutscher Karneval".
Danach sollten bis 1991 die ehemaligen Bezirksarbeitskreise zum geplanten 28. Präsidententreffen in Dresden als Regionalverbände im "Verband Deutscher Karneval" der DDR weiter fungieren. Eingetragen wurde er nie.
Da ich mit zu den designierten Vorstandsmitgliedern zählte, folgten auch meine Gespräche zur Bildung einer anderen Organisationsform: Landesverbände - in den Grenzen der neuen politischen Strukturen - die in den Bund Deutscher Karneval eintreten.
Mit dem BDK gab es schon in diese Richtung gehende offizielle Kontakte, so am 24. März 1990 in Münster. Anlässlich der Deutschen Meisterschaften im karnevalistischen Tanz trafen sich Vertreter des BDK-Präsidiums mit den Repräsentanten des Ostens. Es bleibt für mich unvergessen, dass ich in der "Halle Münsterland", erstmals nach dem Krieg, die deutsche Nationalhymne wieder öffentlich mitsingen durfte.
Am 20.04. folgte das nächste Treffen in Berlin. BDK-Präsident Heinz Wacker versammelte in der Berliner Schultheiß-Brauerei einige Präsidenten aus der DDR zu einem Gespräch. Im Anschluss traf ich mich mit ihm und Wolfgang Roeb - Präsident des Landesverbandes Berlin und BDK-Präsidiumsmitglied - im KaDeWe. In diesem Gespräch ging es um einen Weg zur Vereinigung aller deutschen Karnevalgesellschaften im BDK.
Die Zeit handelte immer schneller, als es unsere Bemühungen vermochten. Die Straße skandierte: "Deutschland einig Vaterland". So teilte ich am 25.04.1990 dem "Ostbeauftragten" des BDK: Wolfgang Roeb in einem Brief mit:
"Ich plädiere für eine gemeinsame Aussprache bis zum 30.06. um einen sinnvollen Weg zu »Deutschland einig Narrenland« zu finden. Ich meine, dass wir, die »Führenden« dies unserem »Fußvolk« schulden, auch wenn sich keiner von uns - nach dem demokratischen Filter - auf einer höheren Sprosse wiederfinden sollte. Dies wäre kaum verwunderlich, da auch jene, die unsere Wende einleiteten, nun auch irgendwo auf der Strecke geblieben sind."
Heinz Wacker war überzeugt, dass dies der richtige Weg ist und drängte. Inzwischen hatte ich einen Vorbereitungsausschuss zur Bildung des Landesverbandes Thüringen gebildet. Unser erarbeiteter Satzungsentwurf sah vor, dass es keinen eigenen DDR-Verband geben sollte und wir Thüringer nach der Verbandsbildung in den BDK eintreten werden.
In telefonisch geführten Gesprächen mit Jürgen von der Heydt war auch er inzwischen zu dieser Überzeugung unter "bestimmten Bedingungen" gekommen, d.h. die angemessene Vertretung der Ostverbände im BDK muss gesichert werden.
Mit diesem Votum kam es am 13.Juni 1990 im Erfurter "Jugend-Tourist Hotel" zum ersten gemeinsamen Treffen. Dazu kam Heinz Wacker mit dem Vorschlag nach Erfurt, in der DDR fünf Landesverbände zu gründen, die danach dem BDK beitreten sollten. Das war für Jürgen von der Heydt noch nicht überzeugend genug, sich dem BDK "unterzuordnen". Es folgte unser beider Vieraugendiskussion und mein Hinweis: der LV Thüringen wird ungeachtet dessen seinen Beitritt zum BDK in der Satzung verankern. Das hat Jürgen endgültig überzeugt.
Am 23.06.1990 empfahl der Rechtsausschuss des BDK in Köln, der nächsten Hauptversammlung eine Satzungsänderung vorzuschlagen, nach der die Verbände Ost einen Vizepräsidenten und einen Beisitzer im geschäftsführenden Vorstand zugesprochen bekommen sollen.
Inzwischen gab es bereits die Landesverbände Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Der nimmermüde Heinz Wacker baute Druck auf und meldete sich auch für die Thüringer Verbandsgründung an.
Der vorbereitende Ausschuss für die Gründung des LTK hatte seine Arbeit abgeschlossen, so dass am 14.06.1990 ein weiteres Gespräch zum Ablauf des Gründungsverbandstages stattfinden konnte. Danach wurden die Thüringer Vereine für den 23. 06.1990 nach Erfurt eingeladen.








